WEGE

Kammerchor Wilhelmshaven der Neuapostolischen Kirche in der Kunsthalle Wilhelmshaven

Gesang riss das Publikum von den Sitzen

Wilhelmshaven – Begeisterung par gab es an diesem Wochenende bei zwei sehr gut besuchten Konzerten in der Kunsthalle Wilhelmshaven. Unter dem Titel „Wege – Begegnung/ Begleitung/Ziel“ trat dazu der Kammerchor Wilhelmshaven der Neuapostolischen Kirche unter Leitung von Gerrit Junge auf.

Schon der Auftakt mit Felix Mendelsohn Bartholdys berühmter Hymne „Hör meine Bitte“ eroberte das Publikum mit der hohen Stimmgewalt des vierstimmigen Chores, die gerade auch in den leisen Passagen überzeugte. Begleitet von Simon Kasper am Klavier besorgte Julia Mehrens dazu den schönen Sopran-Part dieser Motette.

Kunsthallenleiterin lobte Zusammenarbeit

In ihrer Begrüßung lobte sodann Kunsthallenleiterin Petra Stegmann die glänzende Idee für diese Zusammenarbeit von kulturellen Institutionen der Jadestadt. Zumal dieses geistliche Chorkonzert bestens mit der aktuellen Ausstellung harmoniere, bei der sich sechs Künstler mit darstellender Malerei dem Motto „The Way I see it“, also ebenfalls Wegen und Zielen widmen. Als Nächstes glänzten Simon Kasper am Klavier und Cellist Yevgeny Sapozhnikov mit dem ersten von drei Instrumentalpartien, als sie Mendelsohn Bartholdys „Lied ohne Worte op. 109“ intonierten. Ihr kongeniales Zusammenspiel hatte später einen auch von der Klangfärbung her für dieses Konzert außergewöhnlichen Höhepunkt, denn Alexander Glazunovs „Serenade Espagnole Op. 20 Nr. 2“ kam so beschwingt mediterran daher, dass man vermeinte, die Tanzpaare übers Parkett schweben zu sehen.

Bei den Chorgesängen aber standen nun gleich zwei an, deren Inhalt Psalmen waren. So Gottfried August Homilius’ Motette „Der Herr ist mein Hirte“, die in barocker Farbenpracht den berühmten Psalm 23 über das innige Gottvertrauen besingt. Sogar sechsstimmig ging der wunderbar eingestellte Chor den ebenso berühmten Psalm 37,5 „Befiehl du deine Wege“ an, der allerdings vom zeitgenössischen Komponisten Carsten Borkowski stammt.

Ansprache über Lebenswege

Mit „The Road home“ von Stephen Paulus und „The Seal Lullaby“, einem Schlaflied von Eric Whitacre interpretierte der Chor weitere moderne Stücke, die sich diesmal auf Englisch mit Wegen und Zielen befassten. Wie dann auch Pastor Bernd Busemann, der in einer kleinen Impuls-Ansprache auf Lebenswege und den Weg als Ziel – „oder ist nur das Ziel das Ziel?“ – einging. Sämtliche Lieder beschrieben Bilder vom Weg und vom Wegesrand, immer aber durchdrungen von Vertrauen und Zuversicht.

Und nach „Après un Rêve“ von Gabriel Fauré, mit dem Sapozhnikov und Kasper noch einmal traumwandlerische Musik folgen ließen, setzte der großartig aufgelegte Chor den mitreißenden Höhepunkt zum Abschluss: „Mirjams Siegessang“, Franz Schuberts Kantate über den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Mit 18 Minuten Dauer schon fast ein kleines Oratorium, glänzte dieses komplexe Chorwerk vor allem auch durch die starke Leistung von Sopranistin Mareike Gerdes.

Eindrucksvoll intonierte sie den anspruchsvollen Part mit dem komplexen Text von Franz Grillparzer und dazu steigerte sich das gesamte Ensemble zu einen wahren Triumphgesang. Da riss es das Publikum zu Riesenbeifall von den Sitzen. Für den sich der Chor mit einer Bach-Passage aus „Durch viele große Plagen“ bedankte.

Bericht aus der Wilhelmshavener Zeitung von Wolfgang Niemann