Oratorium Elias

16.05. NAK Wilhelmshaven-Nord

15.05. NAK Wilhelmshaven-Nord

 

 

Oratorium Elias

Die Uraufführung des Oratoriums "Elias" im Jahr 1846 wurde für Felix Mendelssohn-Bartholdy zu einem Triumph. Der Komponist stellte den streitbaren alttestamentarischen Propheten ins Zentrum seines Werkes, weil er der Auffassung war, dass ein solch "starker, eifriger, aber auch zorniger Charakter" in seiner Zeit gebraucht würde. Die ungebrochene Aktualität dieser Komposition zeigte sich Pfingsten in zwei Konzerten des Wilhelmshavener Kammerchores.

Während der gesamten Aufführung spürte man den Widerstreit der Mächte und die Symbolik, die hinter dem Text steht. Der "Elias" hat, der kämpferischen Natur des Propheten entsprechend, vorwiegend dramatischen Charakter, welcher locker wie flüssig zum Ausdruck kam und den dicht besetzten Kirchenraum in eine festliche Stimmung versetzte. Insgesamt kamen an beiden Pfingsttagen ca. 700 Zuhörer, wobei das Konzert am Pfingstsonntag restlos ausverkauft war.

Mit präziser stimmlicher Ausgeglichenheit schuf der Kammerchor ein äußerst transparentes Klangbild. Ungemein ansprechend die flehentlichen Bitten des aufgebrachten Volkes Israel, der vergebliche Wettkampf der Baal-Priester mit dem Propheten Elias und dann auf einmal, im Choral - strahlende Innigkeit. Unter Gerrit Junges inspirierender und souveräner Leitung wechselten die hervorragenden Choristen problemlos zwischen Verzweiflung, Trotz, Hetze, Beschwichtigung und Jubel. Die einzelnen Stimmgattungen prägten in ausgewogener Balance einen homogenen Gesamtklang, der sich stets in den Dienst des zugrunde liegenden Textes und dessen Aussage stellte.

Das in unterschiedlichen Klangfarben akzentuierend begleitende Universitätsorchester Transilvania (Rumänien) brachte sich bildhaft mit großem Engagement ins musikalische Geschehen. Zum Beispiel gelingt die musikalische Dramatisierung in Nr.34 (Der Herr ging vorüber) durch sich wiederholende Steigerungselemente wie Sturmwind, Erdbeben, Meeresbrausen, Feuer, im stillen Sausen: der Herr war im Säuseln!

Eine tragende Rolle oblag den Gesangssolisten, allen voran Nils Ole Peters (Bass). Er machte mit seiner modulationsfähigen Stimme, untermauert vom Orchester, die Figur des Propheten zu einer facettenreichen Gestalt zwischen inniger Frömmigkeit und herrischem Befehlston. Ebenfalls auf hohem Niveau agierten Ina Jannsen (Sopran), Juliette Schindewolf (Alt), und Dr. Tobias Wall (Tenor). In Ihren Rollen als die "Engel“, im Terzett, als einzelne Verkünder oder agierende Personen (Königin Isbel - König Ahab - Obadjah) - der lange Atem ihrer Gestaltungskunst ließ das Publikum die Luft anhalten.

Ina Jannsens heller, gradliniger Sopran - wunderschön das erste Duett mit Juliette Schindewolf - verbindet nach der Pause eindringlich Bekenntnis und sehnsüchtigen Appell. Dann entfalten der Wilhelmshavener Kammerchor, das eindringlich musizierende Hochschulorchester und Nils Ole Peters den Perspektivenreichtum dieses erstaunlichen Oratoriums.
Und in den Engels-Visionen, in der Schilderung von Gottes leiser Offenbarung, treffen der Kammerchor und die Solisten genau den Tonfall gläubiger Ergebung. Durch diese spannungsreiche Darbietung, konnte der erbauliche Charakter nicht nur dem ausführlichen Programmheft entnommen, sondern unmittelbar spürbar werden.

Das Auskosten bildhafter Klänge, zog durch den (dramaturgisch etwas schwächeren) zweiten Teil einen roten Faden. Über dem strahlte in Liedern wie: „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ oder „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig“ eine Glaubensüberzeugung, so dass verbunden mit der Verheißung des Messias „Aber einer erwacht von Mitternacht“, sogar eine Steigerung am Schluss möglich wurde - für Aufführungen dieses Werkes etwas Seltenes.

Die nach dem Schlussakkord folgenden Ovationen für zweieinhalb glanzvolle Stunden der Oratorien-Interpretation zeugten von der Faszination, die unter musikalisch und geistig durchdrungener Leitung bis in den springlebendigen Schlusschor hinein, der konzentrierte und klanglich präsente Chor, samt den wie füreinander geschaffenen Solistenensembles und eines hochsensiblen Orchesters auf die Zuhörer auszuüben vermochte.

Musikalische Jubiläen wollen angemessen gefeiert sein und dies in aller Regel auch noch mit dem Anlass entsprechender Literatur. Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium »Elias« war denn ein wahrhaft würdiges Werk für das Jubiläumskonzert des Kammerchores Wilhelmshaven, welcher sich seit seiner Gründung vor genau 10 Jahren eine ausgeprägte Stimm- und Klangkultur erarbeitet hat.

(GS)

Konzertkritiken:

Aufführung setzte Meilenstein

Oratorium „Elias" in neuapostolischer Kirche dargeboten

WILHELMSHAVEN  Mit der Auf­führung des Oratoriums „Elias" op. 70 von Felix Men­delssohn Bartholdy erlebte die Jadestadt an Pfingsten in der neuapostolischen Kirche in Fedderwardergroden ein außerordentliches, auf ho­hem Niveau stehendes Musik­ereignis. Anlass war das zehn­jährige Jubiläum des Kam­merchors Wilhelmshaven der neuapostolischen Kirche, der zurzeit aus 35 Sängern be­steht, sich aber für die Orato­riums-Aufführung aus dem Kreis der Ehemaligen auf 60 Mitglieder verstärkt hatte. 40 Musiker des Hochschulor­chesters Brasov der Univer­sitätTransilvania in Rumänien wirkten als Orchester mit. Da­zu kamen die Solisten Ina Jannsen (Sopran) Hannover, Arm Juliette Schindewolf (Alt) Graz, Tobias Wall (Tenor) Stuttgart, und Nils Ole Peters (Bass) Hannover. Die Gesamt­leitung hatte der Wilhelmsha­vener Gerrit Junge.

Den Text schrieb Julius Schubring aus dem 1. und 2. Buch der Könige des AltenTes­taments. Die Handlung schil­dert Episoden des Propheten Elias, der im Reich Israel in der ersten Hälfte des 9. Jahrhun­derts v. Chr. lebte. Mendels­sohn Bartholdy hatte seinen „Elias" in den Jahren 1837/38 entworfen.

Die Aufführung am Sonn­tag war mit 400 Besuchern ausverkauft, zur zweiten Vor­stellung am Montag waren noch ein paar Plätze frei. So verpassten einige Wilhelms­havener die hervorragende Aufführung. Die Elementar­kräfte Wasser, Erdbeben, Feu­er und Sturm ergriffen musi­kalisch das Publikum. Der Chor (das Volk) klagt „Hilf' Herr, hilf' Herr! Willst du uns denn gar vertilgen?" Der Pro­phet Elias hat in Zarpath das Kind einer Witwe zum Leben erweckt. Ein Regenwunder löst die Dürrejahre ab. Die Wechsel­gesänge zwischen Elias, Engel, Volk, Obadjah und der Witwe bannten die Zuhörer.

Wärme strahlte die Stimme der Altistin Arm Juliette Schin­dewolf aus, bewegt füllte So­pranistin Ina Jannsen ihren Part, deutlich in der Artikula­tion trug Bassist Nils Ole Pe­ters die Worte des Elias vor, ausdrucksstark vervollstän­digte Tenor Tobias Wall das souveräne Solistenquartett. Der Kammerchor der neu­apostolischen Kirche löste sei­ne Aufgabe mit vehementem Einsatz, verschmolz rhyth­misch mit dem Orchester, war groß im Crescendo, wirkte zeitweise zweichorig und prä­sentierte auch solistisch seine brillanten Nuancen. Wuchtig und präzis jubelte das Volk zum Schluss des ersten Teils „Dank sei dir Gott, du tränk­test das dürst'ge Land".

Im zweiten Teil steigert sich die Dramatik. Die Königin hetzt gegen EJias. Akkord­schläge des Orchesters und der chorische Aufschrei „Er muss sterben", begleitet von rasenden Orchesterfiguren, geführt von peitschendem Rhythmus, steigern die Wut des Volkes. Mit der Erschei­nung des Herrn strebt der zweite Teil seinem Höhepunkt entgegen. Begütigend wirkte der Schlusschor.

Das Oratorium „Elias" wird geprägt von barocker Form­strenge und romantischer Ge­fühlswärme. Noch bevor die Nazis Felix Mendelssohn Bar­tholdy verboten, war die Po­pularität des „Elias" zuguns­ten einer neuen Sachlichkeit verblasst. Dieser Trend ver­kehrt sich aber wieder ins Ge­genteil. Auf diesem Weg wird die Wilhelmshavener Auf­führung ein Meilenstein sein.

Ernst Richter

Jeversches Wochenblatt, 18.05.2005

 

Stehende Ovationen für „Elias“

MUSIK Gelungene Oratoriums-Aufführung unter Leitung von Gerrit Junge

Hohen Ansprüchen gerecht wurde die Aufführung des Oratoriums „Elias". Die Neuapostolischen Kirche war voll besetzt.

VON JEAN

FEDDERWARDERGRODEN - Mit stehenden Ovationen endete am frühen Abend des Pfingstsonntags eine Aufführung des Oratoriums „Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Neuapostolischen Kirche in Fedderwardergroden. Den Beifall in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche hatten sich Steffen Schlandt und Gerrit Junge, die beiden Initiatoren dieses außergewöhnlichen Projekts, sowie ihre knapp 100 musikalischen Mitstreiter - Solisten, Vokalisten und Instrumentalisten - mehr als redlich verdient.

Insbesondere der - durch Ehemalige erweiterte - „Kammer"chor wusste durch seine intensive, spannungsreiche Gestaltung des umfangreichen Chorparts zu beeindrucken. Trotz der Erweiterung des Klangkörpers wirkte der Chorklang insgesamt homogen, schlank, frisch, mit nuanciertem Ausdruck und flexibel sowie - geraden in fugierten Teilen schön zu hören - transparent.

Das Attribut „Kammer" chor erscheint immer noch sinnvoll, ergänzten doch einige Chormitglieder mehrfach im Laufe des Oratoriums das Solistenquartett und bildeten mit ihm jeweils eine überzeugende klangliche Einheit.

Bestechend für die etwa zweieinhalbstündige Aufführung war die innere Beteiligung des Chores in allen Phasen, durch die die Dramatik der „Elias"-Geschichte überzeugend und ergreifend - im Sinne einer „Verkündigung" - vermittelt wurde. Wer etwa nach dem anstrengenden, aber überwältigend gestalteten „Wind"- und „Heilig"-Chor (Nr. 34 und 35) mit einem gewissen Einbruch beim folgenden Männerchor (Nr. 36) gerechnet hatte, der wurde überrascht von der Klarheit und Frische, mit der die Männer sich an dieser Stelle noch einmal steigerten.

Solche positiven Überraschungsmomente gab es mehrfach: So beeindruckte etwa im „Fürchte dich nicht"-Chor noch die Wucht und Energie der Aussage, ehe mit dem Tempowechsel zur Fuge hin auch eine angemessene Ausdrucksveränderung mit Bravour gelang.

Alle vier Vokalsolisten wussten in ihren Partien zu gefallen. Auch bei ihnen dominierte insgesamt ein eher schlankes Timbre sowie eine beeindruckende Flexibilität und Nachdrücklichkeit in der Textdeklamation und der inneren Ausgestaltung. Alle Solisten sangen auf einem hohen Niveau und hatten Mehrfach-Rollen wahrzu­nehmen, lediglich der baritonale Bass Nils Ole Peters in der Titelpartie war von dieser Mehrfachbelastung ausgenommen, hatte dafür aber den umfangreichsten solistischen Part zu bewältigen, was ihm auf beeindruckende Weise gelang.

Die übrigen Vokalisten differenzierten in ihren Rollen eindrucksvoll. Während bei Ina Jannsen (Sopran: Witwe, Engel, Knabe) in ihrer Gestaltung eine leichte Tendenz ins Opernhafte nicht zu überhören war, gefielen Arm Juliette Schindewolf (Alt: Engel, Königin) und Tobias Wall (Tenor: Obadjah, Ahab) durch ihre Klarheit und Natürlichkeit in der Stimmfärbung und Deklamation.

Das Hochschulorchester Brasov/Rumänien erwies sich in allen Orchestergruppen als homogen besetzt, zeigte sich flexibel in den unterschiedlichen Begleitaufgaben, demonstrierte überwiegend Souveränität bei den geforderten solistischen Aufgaben (die Celli „schwächelten" im 2. Teil der Nr. 26) und reagierte sensibel auf die klare, differenzierte Zeichengebung seines Dirigenten Gerrit Junge.

Der lang anhaltende Beifall war ein schöner Lohn für das aufwändige, Zukunft verheißende Projekt einer Zusammenarbeit zwischen beiden Musikgruppen.


Wilhelmshavener Zeitung, 17.05.2005