Fauré-Requiem

21.11. NAK Wilhelmshaven-Nord

20.11. NAK Oldenburg-Kreyenbrück

 

 

 

Der Applaus blieb aus...

…stattdessen wurde sich im stillen Gedenken mit der Ewigkeit verbunden. Diese stand bei zwei Konzerten in Oldenburg und Wilhelmshaven im Mittelpunkt, welche den „Ewigkeitssonntag“ (letzter Sonntag des Kirchenjahres) in stimmungsvoller Weise umrahmten.

Eingeleitet wurden die ca.80minütigen Darbietungen in drei Akten durch Matthias Probst, der an der Orgel J.G. Rheinbergers Romanze -Opus 156- erklingen ließ.

Die nachfolgenden doppelchörigen Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms ergänzten sich mit dessen Orgelchoral zu einer stimmigen Einheit. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes und es war deutlich zu spüren, wie der Funke von Beginn an auf die Konzertbesucher übersprang. Hugo Wolfs „Geistliche Lieder“ nach den Texten Eichendorffs bereiteten die Zuhörer auf den Höhepunkt des Abends vor.

Nach den letzten Takten des Orgelsatzes „Nocturne“ von Germaine Taileferre, vereinten sich, unter der Stabführung von Gerrit Junge, Chor, Orgel und Solisten zu: Gabriel Faurés -Requiem- gesungen in lateinischer Sprache.
 

…dieses Requiem ist anders als die vielen Requiemvertonungen seiner Zeitgenossen. Es ist anders in seiner Musik und seiner inhaltlichen Konzeption und es will anders angehört werden.
Fauré wollte ein intimes, fried- und liebevolles Requiem schreiben. "Es ist so sanftmütig wie ich selbst", sagte er im Jahre 1900 und später erläuterte er, dass er den Tod "nicht als ein schmerzliches Erlebnis, sondern als eine Erwartung von Glückseligkeit“ ansehe…

Introitus

Zu den Worten "exaudi orationem meam“ = hör unser Gebet, entwickelte sich ein erster dynamischer Höhepunkt, welcher im Pianissimo mit den Worten "Kyrie eleison" verklang.
Ruhe und Verklärung lagen auch über dem folgendem Offertoire, sowie Sanctus. Die den Zuhörern vorgetragene Schwerelosigkeit in der Harmonik, führte zu einem Schwebezustand der Empfindungen. Dieser wurde durch die zart wiegenden Bewegungen des Gesanges bei Pie Jesu aufrecht erhalten.
Lyrisch-lieblich, wie das Pie Jesu endete, begann das Agnus Dei. Es ist auffällig, wie oft in dem Konzert eine ausdrucksvolle Einstimmigkeit als Element der Schlichtheit verwendet wurde – der gesamte Chor bekräftigte den Ruf nach "ewiger Ruhe" mit drängenden Akkorden.
Die Worte "Lux aeterna“ = das ewige Licht leuchte ihnen, erklangen in einer harmonischen Folge.
Der Solobass (Wolfgang Pude) bat eindrucksvoll in Libera me, mit einer schlichten Melodie, um die Erlösung vom ewigen Verderben. Der Chor bekräftigt diese Bitte in einem kurzen Nachsatz.
Das abschließend vorgetragene In Paradisum, korrespondierte in seiner zarten Klanglichkeit mit dem Sanctus und mag als Nachsatz des ganzen Werkes gemeint sein, dessen sanfte Nuancen – wie im ganzen Konzert – mit großer Aufmerksamkeit gehört werden mussten, um nicht überhört zu werden.
 

Fauré scheint in seinem Herzen ein Kammermusiker gewesen zu sein. Die dynamischen Kontraste sind gezügelt, die Klangfarben fast impressionistisch schillernd und gedämpft, die Musik sehr feinfühlig empfunden, so dass der Kammerchor Wilhelmshaven das Requiem in diesem Klang-Geist authentisch verwirklichen konnte.
Somit konnte Faurés Bild vom Jenseits – eine friedvolle und angenehme Vision, ein wenig französisch parfümierter Himmel, aber ein Himmel, der allen Fegefeuerschrecken verloren hat – übermittelt werden. Das Aussparen der Orchesterbesetzung „stellte keinen Verlust an die musikalische und klangliche Substanz dar“.
 

Der Bezirksevangelist Werner Arnold und Bezirksälteste Thorsten Beutz brachten an den beiden Konzerttagen Gedanken zum Ausdruck, welche die Zuhörer für die Vorträge sensibilisierten. Hierbei dominierte der Gedanke, die Ewigkeit als Teil der Schöpfung zu sehen und der Wunsch sich häufiger mit ihr zu verbinden.
Auch die jüngeren Zuhörer, von denen es erfreulicherweise eine Menge gab, zeigten sich sichtlich ergriffen. Musik muss zu Herzen gehen, und das tat sie an diesen Abenden. Alle Darbietungen waren technisch von hohem musikalischem Niveau. Aber das war nicht der Schlüssel. Um solch eine Botschaft überzeugend musikalisch übermitteln zu können, muss man den Glauben daran aufbringen. So fand die Musik nicht nur in den Ohren, sondern auch im Herzen Wiederhall.
Und das schönste Geschenk, welches man den Akteuren machen konnte, war nach dem Verhallen des Schlussakkordes kein Applaus zu spenden, sondern (durch den Vortag inspiriert) im Stillen derer zu Gedenken die uns bereits in die Ewigkeit vorauf gegangen sind!


(GS)