Bach-Motetten

14.06. NAK Wilhelmshaven-Nord

 

 

Programm:

Johann Sebastian Bach, 1685 – 1750

Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf  BWV 226

Motette für zwei vierstimmige Chöre

 

Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf,

denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebühret,

sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen.

Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei,

denn er vertritt die Heiligen, nach dem es Gott gefället.

Römer 8, 26-27

Choral:

Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns fröhlich und getrost

in deinem Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben.

O Herr, durch dein’ Kraft uns bereit’ und stärk des Fleisches Blödigkeit,

dass wir hier ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen.

Halleluja!

Martin Luther, 1524

Johann Sebastian Bach, 1685 – 1750

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn  BWV Anhang 159

Motette für zwei vierstimmige Chöre

 

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

Weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht,

du väterliches Herz.

Ich bin ein armer Erdenkloß, auf Erden weiß ich keinen Trost.

1. Mose 32, 27b

Choral:

Ich dank dir, Christe, Gottes Sohn, dass du mich solchs erkennen lan

durch dein göttliches Wort;

Verleih mir auch Beständigkeit zu meiner Seelen Seligkeit.

Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt für alle dein erzeigt Wohltat, und bitt demütiglich,

lass mich nicht von dein’m Angesicht verstoßen werden ewiglich.


 

Georg Philipp Telemann, 1681 – 1767

Concerto in D-Dur

für 4 Violinen ohne Bass

Zoltán Gárdonyi, 1906 – 1986

Drei Motetten

für gemischten Chor

Singet dem Herren!

Singet dem Herren ein neues Lied! Singet dem Herren, alle Welt!

Singt und lobet seinen Namen, den Namen des Herrn!

nach Psalm 96, 1-2
 

Finnisches Bußlied

Dein milder Blick, Herr Jesu, der alle meine Sünden sieht,

verschmähe meine Reue nicht, dein milder Blick, Herr Jesu.

Dein sanfter Blick, Herr Jesu, sei meines Zagens Zuversicht;

schenk Frieden und Vergebung mir, dein sanfter Blick, Herr Jesu.

Dein treuer Blick, Herr Jesu, der alle meine Sünden sieht;

ich suche demutsvoll nach deinem Blick, mein Jesu.

Dein ernster Blick, Herr Jesu, zeigt mir den Weg und wiederum

heb’ ich nun meine Augen auf zu dir, o Herr, mein Jesu!

Der Herr ist mein Hirte

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück,

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen

mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23

 

Georg Philipp Telemann, 1681 – 1767

Konzert in a-Moll

für Violine, Streicher und Basso Continuo

Johann Sebastian Bach, 1685 – 1750

Komm, Jesu, komm  BWV 229

Motette für zwei vierstimmige Chöre

Komm, Jesu, komm, mein Leib ist müde, die Kraft verschwind’t je mehr und mehr,

ich sehne mich nach deinem Frieden; der saure Weg wird mir zu schwer!

Komm, komm, ich will mich dir ergeben;

du bist der rechte Weg, die Wahrheit und das Leben.

Aria

Drauf schließ ich mich in deine Hände und sage, Welt, zu guter Nacht!

Eilt gleich mein Lebenslauf zu Ende, ist doch der Geist wohl angebracht.

Er soll bei seinem Schöpfer schweben,

weil Jesus ist und bleibt der wahre Weg zum Leben.

Paul Thymich, 1684 Strophe 1 u. 11 nach Joh. 14,6

Konzertkritik:

Neues im Alten 

KONZERT  Barocke Klänge in der Kirche

Auf hohem Niveau musizierten der Chor der Neuapostolischen Kirche Fedderwardergroden und das Barockorchester Würzburg.

VON MARKUS GÄRTNER

FEDDERWARDERGRODEN - Das Würzburger Barockensemble und der Wilhelmshavener Kammerchor widmeten diesen Abend besonders dem Stammvater Bach, von dem drei doppelchörige Motetten zur Aufführung kamen, sowie dem Hamburger Komponisten Telemann, der mit zwei Konzerten im Programm vertreten war.

Die Mitglieder von Chor und Orchester waren gut aufeinander eingespielt. Akzente kamen punktgenau zum Einsatz, und die Intonation des Chores erwies sich als den Stücken vollkommen angemessen. Ganz allgemein scheint es, als stiege gerade bei der Barockmusik merklich das Niveau der Aufführenden. So gestaltete Chorleiter Gerrit Junge mit Aufmerksamkeit fürs Detail.

Eine Bereicherung stellten die „Drei geistlichen Gesänge" des ungarischen Komponisten Zoltän Gärdonyi (1906 - 1986) dar. Die Werke machten einen entscheidenden Unterschied zum überkommenen Repertoire deutlich, und der bekannte Klang von Bach und Telemann erschien dadurch plötzlich in einem völlig neuem Licht.

„Man steigt niemals in denselben Fluss", wusste schon der griechische Denker Heraklit. Nachdem die Stücke von Gärdonyi das Publikum mit etwas ihnen Unbekanntem konfrontiert, ihnen also eine Erweiterung der Urteilsmöglichkeiten angeboten hatten, changierte auch Telemann wie in den Brechungen einer Wasseroberfläche. Das ist es, was ein gutes Programm ausmacht. Entdecke das Neue im Alten!


Wilhelmshavener Zeitung, 16.06.2003