Sonntag, 24.05.26, 17.00 Uhr
Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven
Internationales Begegnungskonzert
Solisten, Chor und Instrumentalisten werden mit einem herzlichen und freundschaftlichen Applaus empfangen. Da braucht es keine Anmoderation mehr, um mit „We are the world“ sofort Stimmung aufkommen zulassen. Springt die Begeisterung von den Musikern auf das Publikum über oder ist es umgekehrt? Wie in einer große Community, wird schon vom ersten Song an gemeinsam gefeiert. Wenn der Anfang der letzten Veranstaltung des Internationalen Kulturaustausches „Zwischen Arktis und Nordsee“ ein erstes Fazit ist, dann haben die Veranstalter alles richtig gemacht. Die gute Stimmung hat auch die Moderatorin Carola Schede angesteckt. Nach einer herzlichen Begrüßung geht sie noch einmal auf das abwechslungsreiche Programm des IKA ein. Dabei wird deutlich, wie facettenreich, intensiv und an diesem Nachmittag auch kurzweilig die verschiedenen Veranstaltungsangebote des Kulturaustausches waren und sind. Gerrit Junge, der künstlerische Projektleiter, hebt im anschließenden Interview hervor, dass dieser kulturelle Austausch ein großes Glück für alle Beteiligten ist. Für die Künstler wie auch für das Publikum. Von Carola Schede auf die Planung und Vorbereitung zu diesem Event angesprochen, berichtet er von großen und kleinen Wundern, die alle dabei erlebt haben. Die grönländische Grundeinstellung „immaqa“ – zu Deutsch „vielleicht“, hat dabei geholfen mit den Unvorhersehbarkeiten, die so ein großes Projekt mit sich bringt, gelassener umzugehen. Um ein Gefühl für die Sprache der Inuit zu bekommen, folgt im Anschluss „Silarsuaq takuiuk“ in einer Akustikversion. Die grönländische Sängerin Heidinnguaq Vivi Jensen ist stolz und findet es wunderbar hier ihre Kultur und ihre Lieder vorzustellen.
Ein Video nimmt die Zuschauenden mit auf die Reise nach Uummannaq zum nördlichsten Kinderheim der Welt, aus dem die Kinder, Jugendliche und ihre Begleiter angereist sind. Die musikalische Ausbildung ist dort das Fundament der pädagogischen Arbeit. Die musikalischen Traditionen der Inuit werden dabei ganz bewusst integriert. Der nachfolgende Tanz, dessen Rhythmus von Qilaats, den grönländischen Trommeln, vorgegeben wird, vermittelt einen Eindruck dieser Traditionen. Sofia Hernandez ist seit 12 Jahren Musiktherapeutin im Children‘s home in Uumannaq. Im Interview mit Carola Schede schildert sie, warum Musik in der therapeutischen Arbeit mit den Kindern so wichtig ist: „Die Kommunikation miteinander gelingt am besten über die Musik.“ Sie ist „superhappy about a great time in Wilhelmshaven“. Eine großartige Zeit hatte auch Sopranistin Ute Engelke bei ihrer Reise mit dem Kammerchor im Herbst letzten Jahres nach Grönland. Die saubere Luft und das saubere Wasser hatten es ihr besonders angetan. Ihr sorbisches Lied wird von Simon Kasper auf dem Klavier begleitet. Einen bezaubernden Moment erlebt das Publikum mit dem Schöpfungsduett „Holde Gattin“ aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Schelmisch verschmitzt haben Sopran Ute Engelke und Bassbariton Manfred Bittner viel Freude an ihrem Vortrag. In bester Laune nimmt das Publikum diese Stimmung amüsiert auf.
Ein bewegendes Interview führt Carola Schede mit Aleqa Hammond und Ann Andreasen. Aleqa Hammond, ehemalige Regierungschefin Grönlands, hat ganz persönliche Verbindungen zur Neuapostolischen Kirche und ist sehr bewegt viele alte Freunde aus Deutschland wiederzusehen. Grönland steht zurzeit im Fokus der Geopolitik und das ist eine große Herausforderung für das Land und seine Einwohner. Das Streben nach Unabhängigkeit bleibt nach wie vor das große Ziel. Aber auch die Beteiligung an der Rohstoffgewinnung und -vermarktung. Ann Andreasen lebt seit 41 Jahren auf Grönland und ist Leiterin des Children‘s home in Uummannaq. Sie dankt, auch im Namen der Kinder, der Neuapostolischen Kirche für jahrzehntelange Unterstützung. Zusammen mit Aleqa Hammond ist sie sich einig, dass die menschliche Dimension wichtig für den Frieden der Völker ist.
Mit Musik geht es weiter. Auf „Inulluarina“, einem Lied von Heidninguaq Vivi Jensen, folgt die Uraufführung von „Mensch sein“ nach Zitaten von Margot Friedländer, komponiert von Ole Grasshoff und interpretiert vom Kammerchor unter der Begleitung von Klavier und Schlagzeug. Von einem Kulturaustausch der besonderen Art berichten Liz und Lina. Für drei Monate waren die Studentinnen der elementaren Musikpädagogik für ein Auslandssemester im Kinderheim auf Uummannaq. Die Arbeit mit Sofia Hernandez und den Kindern hat sie tief beeindruckt. Lina hat in der Zeit ein neues Lied geschrieben. „Im Meer meiner Gedanken“ handelt von ihrer Oma, die vor kurzem verstorben ist. Beide verbindet eine große Liebe zu Grönland. Natürlich darf der Song selbst nicht fehlen. „Im Meer meiner Gedanken“ wird sehr gefühlvoll gemeinsam mit den grönländischen Jugendlichen aufgeführt und kommt bei den Zuhörenden richtig gut an. Gut dazu passt auch der nachfolgende Titel „Echo, Echo“, der von den jungen grönländischen Musikern locker, frisch und beschwingt vorgetragen wird.
Carola Schede bereitet in ihrer nächsten Anmoderation einen besonderen Höhepunkt des Konzerts vor. Das Children’s home Uummannaq soll als Geschenk lang ersehnte Kesselpauken erhalten. Diese werden symbolisch von Gerrit Junge übergeben. Hier schließt sich der Kreis. Die deutschen Musiker haben viel über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der grönländischen Qilaat gelernt. Das war besonders im Deutschen Requiem von Johannes Brahms zu hören. Damit geht der Wunsch des Kinderheims nach zwei Kesselpauken für die weitere Orchesterarbeit im Kinderheim in Erfüllung. Ann Andreasen ist sichtlich bewegt und bedankt sich herzlich.
Den musikalischen Abschluss bilden zwei Stücke. Zunächst die Uraufführung des Stückes „Embrace Freedom“, das Gerrit Junge, Sigi Häger und Lina Junge während eines Grönlandaufenthalts im April 2026 geschrieben haben. Gefolgt von „Qujavunga“ von Tönnes Kreuzmann, das ebenfalls in diesem Jahr entstanden ist. Alle Musiker und Sänger sind gemeinsam auf der Bühne und bilden sichtbar und stimmlich eine Einheit. Es ist zu spüren, wie sehr sie die Musik, die Begegnung, der Austausch während ihrer gemeinsamen Zeit verbunden haben. Dieser Atmosphäre kann sich keiner der Anwesenden entziehen. Am Ende ist es ein großes Miteinander. Nach dem begeisterten Schlussapplaus ist es wie am Anfang. Ein heiteres und beschwingtes Treiben durchzieht das Kirchenschiff. Nur schwingt jetzt Dankbarkeit mit. Dankbar bei diesem großartigen Projekt dabei gewesen zu sein. Aufwendig produziert, thematisch vielschichtig und künstlerisch ansprechend; die Strahlkraft der Veranstaltungsreihe „Zwischen Arktis und Nordsee“ hat das Potenzial ein nachhaltiger Impuls für eine weitere, wertschätzende Zusammenarbeit, auch über die kulturellen Grenzen hinweg, mit Grönland und seinen Menschen zu sein.
Neuapostolische Kirche