Programm

Internationaler Kulturaustausch

Konzert am 19. Oktober 2025 im Kulturzentrum „Katuaq“ von Nuuk, Grönland

Johannes Brahms »Ein deutsches Requiem op. 45«

trifft auf

Musik aus Grönland

Auf dieser Seite

Einleitung Liedtexte

Internationaler Kulturaustausch

Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms markiert einen Meilenstein in der internationalen Musikszene, da es die Gattung des Requiems auf originelle und zutiefst menschliche Weise neu deutet und ihr eine universelle, interkulturelle Bedeutung verleiht.

Brahms wählte im Gegensatz zur traditionellen katholischen Totenmesse Bibelverse aus der Lutherbibel selbst aus und richtete das Werk nicht auf das Totengedenken, sondern auf den Trost den Hinterbliebenen. Dadurch wurde sein Requiem von Beginn an nicht als Trauermusik verstanden, sondern als eine Musik der Zuversicht und HoFnung, die Gläubige unterschiedlicher Konfessionen und weltanschaulicher Hintergründe anspricht.

Die UrauFührung in Bremen 1868 brachte Brahms den internationalen Durchbruch als Komponist und machte das Werk zu einem der meistaufgeführten Stücke der Chorliteratur weltweit. Es wird heute als eine der bedeutendsten Kompositionen (im Original für Chor und Orchester) des 19. Jahrhunderts angesehen und hat mit seiner emotionalen Tiefe und humanistischen Botschaft Generationen von Musikern und Zuhörern tief beeinflusst.

Das Deutsche Requiem ist ein einzigartiges Werk, dass durch seine innovative Form und seine Trost spendende Botschaft die Musikgeschichte geprägt und international Maßstäbe gesetzt hat. Es bleibt ein Schlüsselwerk der abendländischen Musikkultur und ein Ausdruck universeller Menschlichkeit.

Im heutigen Konzert soll im Rahmen des internationalen Kulturaustausches zwischen Deutschland und Grönland auf Initiative des Kammerchores Wilhelmshaven diese Musik auf „Grönländische Musik“ treFen. Dabei werden unterschiedliche inhaltliche Akzente und Schwerpunkte gesetzt, deren Absicht es jedoch insgesamt ist, Brücken zu schlagen und Verbindungen herzustellen.

Der zwischen dem ersten und zweiten Satz des Brahms-Requiems erklingende „Drum-Song“ ist ein altes, überliefertes grönländisches Stück, dessen Ursprung und konkrete Bedeutung heute nicht mehr zu ermitteln ist. Diese Musik gibt einen Einblick in die Klangwelt traditioneller grönländischer Musik. Mit diesen Klängen wird ein Heimatgefühl verbunden, es transportiert gleichermaßen Melancholie und Geborgenheit und führt damit den im Eingangssatz des Brahms-Requiems vertonten Gedanken „Selig sind…“ in einer anderen Klangsprache weiter.

Gleich drei Lieder der jungen grönländischen Sängerin und Komponistin Heidinnguaq Vivi Jensen sind zwischen Sätzen des Brahms-Requiems zu hören. In diesen Stücken wirft sie zutiefst menschliche Fragen auf, die sich zwischen Himmel und Erde auftun, wenn Leben auf Tod triFt. Dabei spricht sie von ihren persönlichen Empfindungen und lässt einen berührenden Blick in ihre Seele zu.

Der schlichte Chorsatz des Komponisten Tønnes Kreuzmann gibt dem gesamten Ensemble die Gelegenheit in grönländischer Sprache eine Ode auf die Dankbarkeit für alltägliche Dinge anzustimmen. Damit steht dieses Lied in der gleichen Tonart und ist damit eine Art Fortsetzung des Es-Dur Chores „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ aus dem Brahms-Requiem. In dem Brahms-Chor klingt eine große Vorfreude auf jenseitige Geborgenheit bei Gott an, die in dem Chorlied von Tønnes Kreuzmann mit diesseitiger Dankbarkeit für alltäglich erscheinende Aspekte kontrastiert wird.

Die Komposition des Streicherstücks „Song for Ruth“ stammt aus der Feder des amerikanischen Filmmusik-Komponisten Michael La Vallee. Er schrieb dieses Stück im Gedenken an ein junges Mädchen aus dem Kinderheim von Uummannaq.

In der Begegnung dieser unterschiedlichen Klangwelten, Ausdrucksformen, Texte und Sprachen wirft die heutige AuFührung einen komplexen Blick auf menschliche Empfindungen und Fragen im Zusammenhang mit dem Leben und Sterben. Sie möchte damit Zuversicht und Trost vermitteln.

Liedtexte

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen,
und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

 

GREENLANDIC DRUMSONG
performed by Jane Sanimuinaq

 

Denn alles Fleisch ist wie Gras
und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blumen.
Das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen.
So seid nun geduldig, lieben Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn.
Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde
und is geduldig darüber, bis er empfahe den Morgenregen und Abendregen.
Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit.

Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen,
und gen Zion kommen mit Jauchzen;
ewige Freude wird über ihrem Haupte sein;
Freude und Wonne werden sie ergreifen
und Schmerz und Seufzen wird weg müssen.

 

WE MISS YOU
text/music by Heidinnguaq Vivi Jensen

Du bist so weit entfernt und still,
weil du es jetzt aus der Ferne sehen kannst,
wie du erwähnt hast.

Viele Fragen, unbeantwortbare Fragen, dir wird es großartig gehen.
Wir erinnern uns immer daran, dass du bei uns gewesen bist.
Wir haben so viele Freuden miteinander geteilt.

Du bist so weit entfernt und still,
weil du es jetzt aus der Ferne betrachten kannst,
wie Du erwähnt hast.

 

Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss,
und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss.
Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir,
und mein Leben ist wie nichts vor dir.

Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben.
Sie gehen daher wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergebliche Unruhe;
sie sammeln und wissen nicht wer es kriegen wird.
Nun Herr, wess soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.
Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an.

 

INUULLUARINA
text/music by Heidinnguaq Vivi Jensen

There was light when you left
Something you have to accept
Where are you now?
Why did you leave?
Fare well!

 

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!
Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen,
die loben dich immerdar.

 

QUJAVUNGA
text/music by Tønnes Kreuzmann

Was für eine wunderschöne Welt! Alles ist still.
Da oben raschelt es leise und es ist, als höre ich eine Stimme:
„Schau dir an, was du alles erlebt und durchgemacht hast; es ist dir geschenkt worden!“
Ich bin dankbar für alles, was ich erlebt und durchgemacht habe;
es ist immer ein Geschenk an sich.

Mit der Dämmerung sehe ich, wie sich das Licht bricht.
Und die Bewegung der Wellen, die an Ufer schlagen, wie eine Botschaft:
„Steh auf und arbeite hier, denn deine Arbeit ist ein Geschenk.“
Ich bin dankbar dass ich aufwachen und gesund sein kann.

Wenn die Dämmerung hereinbricht,
wenn die Tage vorüber sind, höre ich ein leises Flüstern der Sterne:
„Alles, was du erlebt und durchgemacht hast, ist ein Geschenk, es ist ein Teil des Lebens.“
Ich bin dankbar für alles, was war.
Ich bin dankbar, für alles, was kommen mag.

 

Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen
und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Sehet mich an: Ich habe eine kleine Zeit Mühe und Arbeit gehabt und habe großen Trost funden.
Ich will euch trösten, wie Einen seine Mutter tröstet.

 

PIECE FOR STRINGS „SONG FOR RUTH“
by Justin Michael La Vallee

 

Denn wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir.
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis:
Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;
und dasselbige plötzlich, in einem Augenblick, zu der Zeit der letzten Posaune.
Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten verwandelt werden.
Dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben steht:
Der Tod is verschlungen in den Sieg.
Tod, wo ist dein Stachel?
Hölle, wo ist dein Sieg?

Herr, du bist Würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft,
denn du hast alle Dinge geschaffen,
und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen.

 

EQQISSSINEQ
text/music by Heidinnguaq Vivi Jensen

Als ich die Kerze ansah, war es, als würde ich in einen Traum eintreten.
Ich spüre, dass da etwas war, ich kann es sehen, aber nicht hören.

Du und ich sind auf dem Weg zum Frieden.

Ich fühlte mich, als würde ich aus einem Traum erwachen.
Als ich die Kerze auspustete, fühlte ich, dass da etwas war, ich kann es sehen, aber nicht hören.

Du und ich sind auf dem Weg zum Frieden.

 

Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an.
Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit;
denn ihre Werke folgen ihnen nach.