Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms markiert einen Meilenstein in der internationalen Musikszene, da es die Gattung des Requiems auf originelle und zutiefst menschliche Weise neu deutet und ihr eine universelle, interkulturelle Bedeutung verleiht.
Brahms wählte im Gegensatz zur traditionellen katholischen Totenmesse Bibelverse aus der Lutherbibel selbst aus und richtete das Werk nicht auf das Totengedenken, sondern auf den Trost den Hinterbliebenen. Dadurch wurde sein Requiem von Beginn an nicht als Trauermusik verstanden, sondern als eine Musik der Zuversicht und HoFnung, die Gläubige unterschiedlicher Konfessionen und weltanschaulicher Hintergründe anspricht.
Die UrauFührung in Bremen 1868 brachte Brahms den internationalen Durchbruch als Komponist und machte das Werk zu einem der meistaufgeführten Stücke der Chorliteratur weltweit. Es wird heute als eine der bedeutendsten Kompositionen (im Original für Chor und Orchester) des 19. Jahrhunderts angesehen und hat mit seiner emotionalen Tiefe und humanistischen Botschaft Generationen von Musikern und Zuhörern tief beeinflusst.
Das Deutsche Requiem ist ein einzigartiges Werk, dass durch seine innovative Form und seine Trost spendende Botschaft die Musikgeschichte geprägt und international Maßstäbe gesetzt hat. Es bleibt ein Schlüsselwerk der abendländischen Musikkultur und ein Ausdruck universeller Menschlichkeit.
Im heutigen Konzert soll im Rahmen des internationalen Kulturaustausches zwischen Deutschland und Grönland auf Initiative des Kammerchores Wilhelmshaven diese Musik auf „Grönländische Musik“ treFen. Dabei werden unterschiedliche inhaltliche Akzente und Schwerpunkte gesetzt, deren Absicht es jedoch insgesamt ist, Brücken zu schlagen und Verbindungen herzustellen.
Der zwischen dem ersten und zweiten Satz des Brahms-Requiems erklingende „Drum-Song“ ist ein altes, überliefertes grönländisches Stück, dessen Ursprung und konkrete Bedeutung heute nicht mehr zu ermitteln ist. Diese Musik gibt einen Einblick in die Klangwelt traditioneller grönländischer Musik. Mit diesen Klängen wird ein Heimatgefühl verbunden, es transportiert gleichermaßen Melancholie und Geborgenheit und führt damit den im Eingangssatz des Brahms-Requiems vertonten Gedanken „Selig sind…“ in einer anderen Klangsprache weiter.
Gleich drei Lieder der jungen grönländischen Sängerin und Komponistin Heidinnguaq Vivi Jensen sind zwischen Sätzen des Brahms-Requiems zu hören. In diesen Stücken wirft sie zutiefst menschliche Fragen auf, die sich zwischen Himmel und Erde auftun, wenn Leben auf Tod triFt. Dabei spricht sie von ihren persönlichen Empfindungen und lässt einen berührenden Blick in ihre Seele zu.
Der schlichte Chorsatz des Komponisten Tønnes Kreuzmann gibt dem gesamten Ensemble die Gelegenheit in grönländischer Sprache eine Ode auf die Dankbarkeit für alltägliche Dinge anzustimmen. Damit steht dieses Lied in der gleichen Tonart und ist damit eine Art Fortsetzung des Es-Dur Chores „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ aus dem Brahms-Requiem. In dem Brahms-Chor klingt eine große Vorfreude auf jenseitige Geborgenheit bei Gott an, die in dem Chorlied von Tønnes Kreuzmann mit diesseitiger Dankbarkeit für alltäglich erscheinende Aspekte kontrastiert wird.
Die Komposition des Streicherstücks „Song for Ruth“ stammt aus der Feder des amerikanischen Filmmusik-Komponisten Michael La Vallee. Er schrieb dieses Stück im Gedenken an ein junges Mädchen aus dem Kinderheim von Uummannaq.
In der Begegnung dieser unterschiedlichen Klangwelten, Ausdrucksformen, Texte und Sprachen wirft die heutige AuFührung einen komplexen Blick auf menschliche Empfindungen und Fragen im Zusammenhang mit dem Leben und Sterben. Sie möchte damit Zuversicht und Trost vermitteln.
Neuapostolische Kirche